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Zirkon
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top
Zirkon ist ein Mineral aus der Mineralklasse der âSilikate und Germanateâ mit der chemischen Zusammensetzung Zr[SiO4] und damit chemisch gesehen ein Zirconium-Silikat, das strukturell zu den Inselsilikaten zĂ€hlt. Sehr typisch sind zum Teil hohe Gehalte an Hafnium, Uran, Thorium, Yttrium, Cer und anderen Metallen der Seltenen Erden (Rare Earth Elements, REE). Zirkon bildet eine lĂŒckenlose Mischkristallreihe mit seinem wesentlich selteneren hafniumdominanten Analogon Hafnon. Reidit ist eine Hochdruckmodifikation von Zirkon.
Das Mineral kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und entwickelt meist kurzprismatische Kristalle mit quadratischem Querschnitt und pyramidalen Kristallenden sowie Kristalle mit dipyramidalem Habitus. Die meist eingewachsenen, nur selten aufgewachsenen Kristalle können bis zu 30 cm GröĂe erreichen. Zirkon findet sich ferner in radialstrahligen Aggregaten, unregelmĂ€Ăigen Körnern, massiv sowie in Form von abgerollten, stark verrundeten Kristallen. In reiner Form ist Zirkon farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiĂ erscheinen, wobei farblose bis weiĂe Zirkone nur selten zu finden sind.cite-ref-9[8.1] Meist nimmt das Mineral durch verschiedene Fremdbeimengungen eine graue, braune bis rotbraune und seltener auch gelbe, grĂŒne oder blaue Farbe an.
Exemplare, die aufgrund ihrer GröĂe und Reinheit EdelsteinqualitĂ€t zeigen, sind aufgrund ihres diamantĂ€hnlichen Glanzes ein beliebter Ersatz fĂŒr Diamanten. Zirkon ist nicht zu verwechseln mit dem synthetisch hergestellten Zirkonia (Formel: ZrO2, Zirconium(IV)-oxid), der ebenfalls als Schmuckstein und Diamantimitation dient.
Contents
âą Klassifikation
âą Chemismus
âą Kristallstruktur
âą Eigenschaften
âą Morphologie
âą Fundorte
âą Verwendung
âą Schmuckstein
âą Weitere
âą Trivia
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Etymologie und Geschichte
Der Name Zirkon stammt entweder vom arabischen zarquncite-ref-britannica-10-0[9] fĂŒr âZinnoberâ oder vom persischen ŰČ۱گÙÙ zargun fĂŒr âgoldfarbenâ. VerĂ€ndert finden sich diese Bezeichnungen im Namen Jargon wieder, womit helle Zirkone benannt worden sind.
Der seit der Antike verwendete Name Hyacinth (Hyazinth) bezog sich ursprĂŒnglich auf ein blaues oder violettes Mineral. Er stammt vom griechischen Wort ΄ΏÎșÎčÎœÎžÎżÏ hyakinthos fĂŒr âJĂŒnglingâ â in der griechischen Mythologie war Hyakinthos eine Blume, die aus dem Blut des gleichnamigen JĂŒnglings entstand. Schon im Jahre 300 vor Christi Geburt war das Mineral von Theophrastos von Eresos nach dem griechischen Wort λÏ
ÎłÎșÏÏÎčÎżÎœ lyncurion als Lyncurion bezeichnet worden. Ein mit dem heutigen Zirkon wahrscheinlich identisches Mineral nannte Plinius der Ăltere in seiner um 77 n. Chr. entstandenen Naturgeschichte (Naturalis historia) Chrysolithos. Von Georgius Agricola 1546 als Hyacinthus und von BarthĂ©lemy Faujas de Saint-Fond 1772 als Hyacinthe bezeichnet.
Jean-Baptiste RomĂ© de LâIsle bildete als Erster die charakteristische Kristallform des Zirkons mit Prisma und Pyramide ab und unterschied sĂ€ulig-gestreckte und pseudorhombendodekaedrische VarietĂ€ten. Martin Heinrich Klaproth wies darauf hin, dass RomĂ© als Erster des Jargon de Ceylan âals einer besondern Steinart ⊠gedachtâ hatte.cite-ref-klaproth-1789-11-0[10]cite-ref-klaproth-1795-12-0[11] Erstmals als Zirkon (Silex Circonius) bezeichnet wurde das Mineral 1783 durch Abraham Gottlob Werner, dessen SchĂŒler Christian August Siegfried Hoffmann den Zirkon in das von ihm nach den VortrĂ€gen von Werner verfasste âHandbuch der Mineralogieâcite-ref-hoffmann-1811-13-0[12] aufnahm.
âDer Name Zirkon ist entweder zeilanischen Ursprungs, oder aus dem französischen Worte Jargon, womit die JuwelenhĂ€ndler ehemals alle diejenigen unfarbigen Edelsteine bezeichneten, die, wenn sie geschliffen sind, das Auge durch eine scheinbare Aehnlichkeit mit dem Demante tĂ€uschen, durch Korruption entstanden.â
â
Christian August Siegfried Hoffmann
Martin Heinrich Klaproth analysierte im Jahre 1789 gelbgrĂŒne und rötliche Zirkone von Ceylon (heute Sri Lanka) und entdeckte darin âeine bisher unbekannte, selbstĂ€ndige, einfache Erdeâ, der er den Namen âZirkonerdeâ (Terra circonia) gab. Dieselbe Erde fand Klaproth in einem Hyazinth von Ceylon, wodurch sich Zirkon einerseits und Hyazinth andererseits âals zwei Arten oder Gattungen eines eigenthĂŒmlichen Steingeschlechtsâ erwiesen; die neue Erde könnte eventuell auch âHyacintherdeâ genannt werden.cite-ref-klaproth-1795-12-1[11] Erst RenĂ©-Just HaĂŒy vereinigte Hyazinth und Zirkon bei exakter Bestimmung der Kristallformen zu einem einzigen Mineral. Das chemische Element Zirconium isolierte erstmals der schwedische Mediziner und Chemiker Jöns Jakob Berzelius.
Im Typmineralkatalog der International Mineralogical Association (IMA) wird als TyplokalitĂ€t (Fundort des Materials der Erstbeschreibung) fĂŒr den Zirkon zwar Sri Lanka angegeben, allerdings gibt es keine entsprechend definierten Mineralproben (Typmaterial) beziehungsweise ist deren Aufbewahrungsort nicht dokumentiert.cite-ref-ima-typmaterialkatalog-14-0[13]
Da der Zirkon bereits lange vor der GrĂŒndung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenstĂ€ndige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) ĂŒbernommen und bezeichnet den Zirkon als sogenanntes âgrandfatheredâ (G) Mineral.cite-ref-ima-liste-3-1[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Zirkon lautet âZrnâ.cite-ref-warr-1-1[1]
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Zirkon zur Mineralklasse der âSilikateâ und dort zur Abteilung âInselsilikate (Nesosilikate)â, wo er gemeinsam mit Coffinit, Thorit und Thorogummit in der âZirkon-Reiheâ mit der Systemnummer VIII/A.07 steht.
In der zuletzt 2018 ĂŒberarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan WeiĂ, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/A.09-010. Dies entspricht der Klasse der âSilikateâ und dort der Abteilung âInselsilikate mit [SiO4-Gruppenâ, wo Zirkon zusammen mit Atelisit-(Y), Coffinit, Hafnon, Reidit, Stetindit-(Ce), Thorit und Thorogummit die âZirkongruppeâ mit der Systemnummer VIII/A.09 bildet.cite-ref-lapis-15-0[14]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisiertecite-ref-ima-liste-2009-16-0[15] 9. Auflage der Strunzâschen Mineralsystematik ordnet den Zirkon in die Klasse der âSilikate und Germanateâ und dort in die Abteilung âInselsilikate (Nesosilikate)â ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung âInselsilikate ohne zusĂ€tzliche Anionen; Kationen in oktaedrischer [6er- und gewöhnlich gröĂerer Koordinationâ zu finden, wo es zusammen mit Coffinit, Hafnon, Stetindit, Thorit und Thorogummit die âZirkongruppeâ mit der Systemnummer 9.AD.30 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebrĂ€uchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Zirkon die System- und Mineralnummer 51.05.02.01. Das entspricht der Klasse der âSilikateâ und dort der Abteilung âInselsilikatmineraleâ. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung âInselsilikate: SiO4-Gruppen nur mit Kationen in >[6]-Koordinationâ in der âZirkongruppeâ, in der auch Hafnon, Thorit, Coffinit, Thorogummit und Stetindit eingeordnet sind.
Chemismus
Die Formel des reinen Zirkons mit Endgliedzusammensetzung Zr[SiO4] erfordert Gehalte von 67,1 Gew.-% (Gewichtsprozent) ZrO2 und 32,9 Gew.-% SiO2.cite-ref-r-sler-17-0[16] NatĂŒrliche Zirkone enthalten hĂ€ufig ein breites Spektrum formelfremder Begleitelemente und EinschlĂŒsse verschiedener anderer Minerale, wozu Entmischungen, Einlagerungen und zonierte Verwachsungen zĂ€hlen.cite-ref-r-sler-17-1[16]cite-ref-cesbron-18-0[17] Die wichtigsten Begleitelemente sind Hafnium, Thorium, Uran, Yttrium, Cer und andere Metalle der Seltenen Erden sowie Phosphor, Niob, Tantal, Aluminium, Eisen und Calcium. Dabei ist die Isotypie von Zirkon (Zr[SiO4]) und Xenotim-(Y) (Y[PO4]) die Ursache fĂŒr die gekoppelte (heterovalente) Substitution Zr4+ und Si4+ durch Y3+ und P5+.cite-ref-r-sler-17-2[16] Der gröĂere Teil der teilweise sehr hohen Y-Gehalte ist aber nicht auf einen diadochen Einbau von Yttrium fĂŒr Zirkon zurĂŒckzufĂŒhren, sondern auf zonierte, zum Teil sogar epitaktische Verwachsungen mit dem diskreten Fremdmineral Xenotim (vergleiche das nebenstehende REM-Bild und unter VarietĂ€ten).cite-ref-robinson-19-0[18]cite-ref-cesbron-18-1[17]
Hafnium wurde erstmals in Zirkonen aus Norwegen röntgenspektroskopisch durch die Physiker Dirk Coster und George de Hevesy 1923 in Kopenhagen nachgewiesen. Es wurde auch sehr schnell klar, dass Hafnium in zirconiumhaltigen Mineralien â und damit in allen Zirkonen â immer enthalten ist, da Hf4+-Ionen aufgrund der Lanthanoidenkontraktion einen zum leichteren Homologen Zr4+ vergleichbaren Ionenradius aufweisen und damit perfekt in die Kristallstrukturen der Zirconium-Verbindungen passen.cite-ref-goldschmidt-20-0[19] Mit seinem hafniumdominanten Analogon Hafnon (Hf[SiO4]) bildet Zirkon somit eine lĂŒckenlose Mischkristallreihe. Gehalte von 45,30 Gew.-% Hafniumdioxid (HfO2) und von 27,69 Gew.-% Zirconiumdioxid (ZrO2) charakterisieren den Mittelpunkt der Mischkristallreihe mit der Formel (Zr0,50Hf0,50)ÎŁ=1,00SiO4. Bei Kristallen mit Hafniumdioxidgehalten > 45,30 Gew.-% handelt es sich danach um Hafnone, ist der Wert kleiner als 45,30 Gew.-%, liegt ein Zirkon vor. Normalerweise betrĂ€gt der HfO2-Gehalt der Zirkone etwa 1 bis 1,5 Gew.-%, das Hf/Zr-VerhĂ€ltnis 0,02â0,04.cite-ref-deerhowiezussman-21-0[20]
In ExtremfĂ€llen kann Zirkon ferner bis zu 12 Gew.-% Thoriumdioxid (ThO2) oder 1,5 Gew.-% Uran(V,VI)-oxid (U3O8) enthalten.cite-ref-r-sler-17-3[16] Eine yttriumhaltige ZirkonvarietĂ€t wurde Ribeirit genannt und enthĂ€lt 7,45 Gew.-% Y2O3 (âYttererdenâ).cite-ref-willer-florencio-22-0[21] In einem graugrĂŒnen bis graubraunen Zirkon aus Hayamadake, PrĂ€fektur Fukushima, Japan, wurden 10,14 Gew.-% Y2O3 festgestellt.cite-ref-deerhowiezussman-21-1[20]
Die zum Teil betrÀchtlichen Gehalte an Uran und Thorium machen den Zirkon zum HaupttrÀger der RadioaktivitÀt in den Gesteinen.cite-ref-klockmann-5-4[5] Allerdings ist auch formelreiner Zirkon schwach radioaktiv, da er zu 2,8 % aus dem Isotop 96Zr besteht, das mit der extrem langen Halbwertszeit von 24·1018 Jahren unter doppeltem Betazerfall zu 96Mo zerfÀllt.cite-ref-trueb-23-0[22]
Kristallstruktur
Zirkon kristallisiert tetragonal in der Raumgruppe I41/amd (Raumgruppen-Nr. 141)Vorlage:Raumgruppe/141 mit den Gitterparametern a = 6,61 Ă
und c = 5,98 Ă
sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.cite-ref-strunznickel-2-3[2]
Die Struktur des Zirkons enthĂ€lt inselartig [SiO4]4â-Tetraeder in einer innenzentrierten Elementarzelle aus Zr4+-Ionen, wobei jedes Zr4+-Ion von acht O2â-Ionen umgeben ist. Die [SiO4]4â-Tetraeder sind spiegelsymmetrisch und nach vierzĂ€hligen Schraubenachsen angeordnet. Letztere weisen gegenlĂ€ufigen Drehsinn parallel [001] durch die Mitte der vier Viertelzellen auf.cite-ref-schr-ckeweiner-24-0[23]cite-ref-klockmann-5-5[5] Das prinzipielle Strukturelement im Zirkon sind Zickzack-Ketten aus alternierenden, kantenverknĂŒpften ZrO8-Dodekaedern parallel [100], die durch gemeinsame Ecken und Kanten mit den [SiO4]4â-Tetraedern zu einem dreidimensionalen GerĂŒst verbunden sind.cite-ref-robinson-19-1[18] Zirkon ist isotyp zu Xenotim-(Y), BĂ©hierit (Ta[BO4]cite-ref-ima-liste-3-2[3]), Chernovit-(Y), Hafnon, Thorit und Wakefieldit-(Y) sowie einer Reihe kĂŒnstlicher Verbindungen, d. h. er kristallisiert mit der gleichen Struktur wie diese Minerale und Phasen.cite-ref-klockmann-5-6[5]cite-ref-mindat-25-0[24]
In manchen Zirkonen ist der Gitterbau durch die Wirkung hochenergetischer radiogener Teilchen (aus dem radioaktiven Zerfall der im Zirkon enthaltenen Elemente Uran und Thorium) teilweise zerstört (metamiktisiert) â solche Kristalle weisen meist dunklere, braune Farben auf. Durch die Metamiktisierung kann Wasser ins Kristallgitter eingelagert werden. Die Folge ist eine merkliche Verringerung von Brechungsindex, Dichte und HĂ€rte. Eine Doppelbrechung ist ĂŒberhaupt nicht mehr vorhanden. Insofern unterscheidet man Zirkone von ihren Stadien her in
die bezĂŒglich ihrer Eigenschaften zwischen den beiden ersten Gruppen liegen.cite-ref-bayerwiedemann-26-0[25] Durch Erhitzen auf ĂŒber 1000 °C können die Tiefzirkone wieder zu Hochzirkonen rekristallisieren.
Eigenschaften
Morphologie
Zirkon bildet fast immer ringsum ausgebildete, aber eingewachsene und nur selten aufgewachsene, im Querschnitt oft quadratische Kristalle, deren durchschnittliche GröĂe, z. B. in granitoiden Gesteinen, zwischen 100 und 300 ”m liegt. Gelegentlich erreichen sie aber auch GröĂen von mehreren Zentimetern, vor allem in Pegmatiten oder Schwermineralseifen. Der bisher gröĂte bekannte Zirkon weltweit maĂ 10 cm Ă 10 cm Ă 30 cm, wog ĂŒber 7 kg und wurde bei Brudenell in der kanadischen Provinz Ontario gefunden.cite-ref-am-largecrystals-27-0[26]cite-ref-ma-mineralrekorde-28-0[27]
Zirkonkristalle sind in den meisten FÀllen an beiden Enden terminiert. Ihre die Kristallisationsgeschwindigkeit reflektierenden LÀngen-/BreitenverhÀltnisse variieren zwischen 1 und 5. TatsÀchlich finden sich nadelige Kristalle hÀufig in schnell auskristallisierten, porphyrischen, subvulkanischen Intrusionen sowie oberflÀchennah intrudierten Graniten und Gabbros.cite-ref-corfu-29-0[28]
Zirkone treten im Wesentlichen in drei verschiedenen Grundtypen mit den HauptflĂ€chenformen {100}, {110}, {101} und {301} auf (siehe dazu auch die zugehörigen Grafiken). Zu diesen drei morphologischen Grundtypen des Zirkons gehören ein pyramidaler Habitus mit {101} und/oder {211}, ein prismatischer Habitus mit {100} und/oder {110} und ein gestreckter Habitus mit prismatischen und pyramidalen FlĂ€chenformen. Zum pyramidalen Habitus zĂ€hlen die typisch dipyramidalen Kristalle, die die Pyramide {101} allein oder mit schmalen FlĂ€chen des Prismas II. Stellung {100} zeigen. Wesentlich hĂ€ufiger sind die Kristalle mit prismatischem Habitus. Hier treten zu den trachtbestimmenden Prismen II. Stellung {100} und/oder I. Stellung {110} die tetragonalen Pyramiden II. Stellung {101} und {301}, die tetragonale Pyramide I. Stellung {112} sowie die tetragonale Dipyramide {211}. Sehr charakteristisch sind kurzprismatische Kristalle mit {110} und {101}, die einen pseudorhombendodekaedrischen Habitus (sogenannter Hyazinth-Habituscite-ref-hintze-30-0[29]) aufweisen und an entsprechende Granatkristalle (âGranatoederâ) erinnern (vergleiche die Kristallzeichnung Nr. 3).
Bei Vergleichen mit historischen Kristallzeichnungen muss beachtet werden, dass die Aufstellung der Kristalle in modernen Zeichnungen gegenĂŒber der frĂŒheren morphologischen Orientierung um 45° gedreht ist. So wird die frĂŒher als {111} indizierte Pyramide heute als {101} aufgestellt.cite-ref-kostov-31-0[30]
Im Gegensatz zu den formĂ€hnlichen Mineralen Kassiterit und Rutil bildet Zirkon nur selten knieförmige Zwillinge mit (112) als Zwillingsebene aus. Solche Zwillinge sind aus der âMeredeth Freeman Zircon Mineâ im Henderson County in North Carolina beschrieben worden, daneben auch kreuzförmige Zwillinge nach (101) und visiergraupenĂ€hnliche Zwillinge nach (111).cite-ref-hiddenpratt-32-0[31] Die GesetzmĂ€Ăigkeit der kreuzförmigen Zwillinge hat jedoch Georges Friedel schon 1904 bezweifelt.cite-ref-hintze-30-1[29] GroĂe Zwillinge nach (112), aber nicht kreuzförmig, sondern als Kniezwillinge, sind vor allem von Brudenell Township, Renfrew County, Ontario in Kanada, bekannt.cite-ref-klockmann-5-7[5]
Zirkon kommt auĂerdem in traubigen, nierigen und radialstrahligen Aggregaten sowie unregelmĂ€Ăigen Körnern vor. Aufgrund seiner VerwitterungsbestĂ€ndigkeit findet sich der Zirkon in Lockersedimenten und Seifen in Form von losen, abgerollten Kristallen, in Schlacken und mit basaltischen Gesteinen verknĂŒpften Xenolithen, in skelett- und bĂ€umchenförmigen Aggregaten.
Charakteristisch sind Verwachsungen mit anderen Mineralen wie z. B. Xenotim-(Y), darunter auch perfekt orientierte (epitaktische) Verwachsungen (siehe die nebenstehende Kristallzeichnung). Verwachsungen mit Baddeleyit werden âZirkon-Favasâ oder âCaldasitâ genannt. Da Thorit und Zirkon komplett analoge Strukturen aufweisen,cite-ref-finchhanchar-33-0[32] sind auch epitaktische Verwachsungen von Zirkon mit Thorit möglich. Solche kennt man unter anderem von Bassano Romano, Provinz Viterbo, Latium, aus dem Steinbruch San Vito bei San Vito unweit Ercolano, Monte Somma, Somma-Vesuv-Komplex, Metropolitanstadt Neapel, Kampanien, beide in Italien, sowie aus den AuswĂŒrflingen des Laacher-See-Vulkans in der Vulkaneifel.
Physikalische und chemische Eigenschaften
In reiner Form ist Zirkon farblos und wasserklar-durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiĂ sein und durch Fremdbeimengungen eine braune und braunrote, seltener auch gelbe, grĂŒne oder blaue Farbe annehmen. Die Strichfarbe des Zirkons ist hingegen immer weiĂ.cite-ref-handbookofmineralogy-6-2[6] Die OberflĂ€chen der durchsichtigen bis opaken Kristalle weisen auf allen FlĂ€chen einen starken glas- bis diamantĂ€hnlichen Glanz, auf BruchflĂ€chen sowie im metamikten Zustand hingegen Fettglanz auf. Manche Zirkone zeigen auch Chatoyance (Katzenaugeneffekt).cite-ref-9-1[8.1]
Zirkon besitzt eine sehr unvollkommene Spaltbarkeit nach {100},cite-ref-klockmann-5-8[5] bricht aufgrund seiner Sprödigkeit aber Ă€hnlich wie Quarz, wobei die BruchflĂ€chen muschelig ausgebildet sind. Mit einer MohshĂ€rte von 7,5 gehört Zirkon zu den harten Mineralen, und steht damit zwischen den Referenzmineralen Quarz (HĂ€rte 7) und Topas (HĂ€rte 8). Die gemessene Dichte fĂŒr Zirkon betrĂ€gt je nach Autor 4,6 bis 4,7 g/cmÂł, die berechnete Dichte liegt bei 4,714 g/cmÂł.cite-ref-handbookofmineralogy-6-3[6] Bei der Metamiktisierung (Isotropisierung) sinkt die Dichte des Minerals auf Werte von 3,9 bis 4,2 g/cmÂł (âlow density zirconsâ).cite-ref-deerhowiezussman-21-2[20]
Bei Normaldruck ist Zirkon bis zu einer Temperatur von 1676 °C stabil. DarĂŒber zersetzt er sich in tetragonales Zirconiumdioxid (ZrO2) und Siliciumdioxid (SiO2) in der Modifikation ÎČ-Cristobalit (Hochcristobalit), besitzt also keinen kongruenten Schmelzpunkt.
Ab 1689 °C bildet sich SiO2- reiche Schmelze (~95 mol-% SiO2), die mit weiter steigenden Temperaturen zunehmend reicher an ZrO2 wird.cite-ref-butterman-foster-1967-34-0[33]
Im DĂŒnnschliff ist Zirkon farblos bis blassbraun und weist in stark gefĂ€rbten Körnern einen deutlichen Pleochroismus auf. So wurde an brĂ€unlich-perlgrauen Körnern ein Pleochroismus von Ï = nelkenbraun nach Δ = spargelgrĂŒn, an blass nelkenbraunen Körnern ein Pleochroismus von Ï = grauviolettblau nach Δ = grauolivgrĂŒn und an gelblichweiĂen Körnern ein Pleochroismus von Ï = blassblau nach Δ = blassgelb beobachtet.cite-ref-hintze-30-2[29] Charakteristisch fĂŒr das Mineral ist eine hohe Lichtbrechung (starkes Relief mit dunkler Umrandung) und eine hohe Doppelbrechung (ÎŽ = 0,044 bis 0,055) mit lebhaften roten, blauen und grĂŒnen Interferenzfarben der II. und III. Ordnung.cite-ref-pichler-schmitt-riegraf-7-5[7] Metamikte Zirkone können anomal zweiachsig sein und dann Achsenwinkel von 2V = 10° zeigen, wĂ€hrend ihre Doppelbrechung auf Werte von ÎŽ = 0,000 zurĂŒckgeht. Weitere Charakteristika sind der oft vorhandene Zonarbau und die pleochroitischen Höfe, die am besten zu erkennen sind, wenn der Zirkon als Einschluss in farbigen Mineralen wie Biotit und Turmalin auftritt. Im Zirkon selbst sind EinschlĂŒsse von Apatit, Monazit, Xenotim-(Y), Rutil, HĂ€matit, Ilmenit, Magnetit, Biotit, Kassiterit, Quarz, Turmalin und Glas beobachtet worden, die immer eine gewisse TrĂŒbung (GraufĂ€rbung) verursachen.cite-ref-pichler-schmitt-riegraf-7-6[7]
Vor dem Lötrohr, auch im warmen Luftstrom, ist der Zirkon unschmelzbar. Mit Sauerstoff wird er weiĂ, ohne zu schmelzen. Nur mit erwĂ€rmtem Sauerstoff entsteht oberflĂ€chlich ein weiĂes Email; letzteres auch, wenn der Zirkon beim Erhitzen im Knallgas-Strom zu schmelzen anfĂ€ngt. Zirkon wird durch Phosphorsalz nicht wahrnehmbar angegriffen. Wird das Pulver mit Ătzkali â oder mit Soda am Platindraht â zusammengeschmolzen und dann mit SalzsĂ€ure gekocht, so wird Kurkuma-Papier von der verdĂŒnnten sauren FlĂŒssigkeit orange gefĂ€rbt (Reaktion auf Zirconium). Wird die salzsaure Lösung bis zur Kristallisation konzentriert und dann mit gesĂ€ttigter Kaliumsulfat-Lösung gekocht, so bildet sich ein weiĂer Niederschlag von Zirconium(IV)-oxid. In SĂ€uren ist er unlöslich. Von konzentrierter SchwefelsĂ€ure (H2SO4) wird Zirkon nur in feinstem Pulver angegriffen, in heiĂer, konzentrierter FluorwasserstoffsĂ€ure (HF) ist er schwach löslich. Zirkon ist aufschlieĂbar durch Schmelzen mit Alkalicarbonaten und Kaliumdisulfat sowie anderen Bisulfaten, besonders aber mit Kaliumfluorid und Fluorwasserstoff-Kaliumfluorid.cite-ref-hintze-30-3[29]
Durch GlĂŒhen â je nach Behandlung in der Oxidations- bzw. Reduktionsflamme â entsteht zum Teil eine dunklere FĂ€rbung, zum Teil werden die Kristalle entfĂ€rbt.cite-ref-hintze-30-4[29] Einige Zirkonkristalle zeigen beim GlĂŒhen Thermolumineszenzcite-ref-hintze-30-5[29];cite-ref-mineralienatlas-35-0[34] insbesondere bei helleren durchsichtigen Kristallen erzeugt bereits eine âsehr gelinde ErwĂ€rmungâ ein hell- bis intensiv grĂŒnes Licht, wobei die Phosphoreszenz zwei bis drei Minuten anhĂ€lt.cite-ref-hahn-36-0[35]cite-ref-hahn-1874-37-0[36] Zirkon kann ferner auch Kathodolumineszenzcite-ref-vavra-1990-38-0[37]cite-ref-yang-et-al-1992-39-0[38] sowie gelbe, orangegelbe bis grĂŒnorangefarbene Fluoreszenz im kurzwelligen UV-Licht (254 nm) aufweisen.cite-ref-webmineral-4-1[4] Hervorgerufen wird dies durch strahlungsinduzierte Kristalldefekte sowie den Einbau von (UO2)2+ (Uranyl-Ion) als Verunreinigung, oder Dy3+, Er3+, Nd3+, Yb3+.cite-ref-fluomin-org-40-0[39] Durch Bestrahlung hervorgerufene Gitterdefekte können beim Erhitzen, manchmal reicht Sonnenlicht, ausheilen, was mit einem Verlust der durch diesen Defekt verursachten FĂ€rbung einhergeht. In der Folge Ă€ndert sich die Farbe â es bleibt nur die FĂ€rbung durch stabile Defekte wie Fremdionen ĂŒbrig â oder verschwindet vollstĂ€ndig.
Modifikationen und VarietÀten
In der Vergangenheit wurden verschiedenen Zirkone, die reich an Metallen der Seltenen Erden (Rare Earth Elements, REE) waren, unter eigenen Bezeichnungen beschrieben. Dazu zĂ€hlen Alvit, Hagatalith, NaĂ«git, Nogizawalith, Oyamalith und Yamaguchilith. Die zumeist stark metamikten Minerale stammen hauptsĂ€chlich aus Graniten und Granitpegmatiten in Japan. Ihre Gehalte an REE2O3 und P2O5 können, z. B. im Nogizawalith, 26 Gew.-% und 9,8 Gew.-% erreichen. Schon vor Jahrzehnten ist gezeigt worden, dass es sich bei diesen Zirkon-âVarietĂ€tenâ tatsĂ€chlich um (zonierte) Verwachsungen von Zirkon und Xenotim-(Y) handelt, gelegentlich sogar in perfekter epitaktischer Orientierung. Sehr wahrscheinlich entstanden sie durch Einwirkung hydrothermaler, an Yttrium, Phosphor, und den Metallen der Seltenen Erden angereicherten Lösungen auf metamikte Zirkone. Im Alvit sind die Verwachsungen mit Xenotim-(Y)-Kristallen bis zu 0,1 mm GröĂe relativ grob. Im Hagatalith und Yamaguchilith sind die Xenotim-DomĂ€nen kleiner und seltener, wohingegen im Oyamalith und NaĂ«git ĂŒberhaupt keine diskreten Phasengrenzen erkennbar sind.cite-ref-robinson-19-2[18]cite-ref-cesbron-18-2[17]
⹠Anderbergit ist ein von Christian Wilhelm Blomstrand nach dem Apotheker und hervorragenden Mineralkenner C. W. Anderberg benannter, pseudododekaedrische Kristalle bildender und alterierter Zirkon von Ytterby in Schweden. Beschrieben wurde diese Zirkon-VarietÀt von Adolf Erik Nordenskiöld. Anderbergit fand sich mit Fergusonit und Xenotim auf schwarzen Glimmerplatten aufgewachsen und erwies sich als cyrtolithÀhnliches wasserhaltiges Zirconiumsilikat mit Calcium und REE.cite-ref-nordenski-ld-42-0[41]cite-ref-blomstrand-43-0[42]cite-ref-b-ckstr-m-44-0[43]
âą Auerbachit wurde nach dem russischen Wissenschaftler Dr. Auerbach in Moskau benannt. Hans Rudolph Hermann beschrieb die in Kieselschiefer eingewachsenen Kristalle aus der Umgebung des Dorfes Anatolia beim âHutor Masurenkiâ unweit Mariupol in der Ukraine.cite-ref-hermann-45-0[44]
âą Als Azorit wurde ein im Sanidinit von SĂŁo Miguel auf den Azoren sitzender Zirkon mit extrem dipyramidalem Habitus bezeichnet.cite-ref-hintze-30-6[29]
âą Caldasit ist die Bezeichnung fĂŒr eine ursprĂŒnglich als sogenannte Zirkon-Favas (âZirkonbohnenâ) bekannte Mixtur aus Baddeleyit und Zirkon. Diese stammen aus dem Massiv von Poços de Caldas im SĂŒden Brasiliens, die aufgrund der durchschnittlichen Gehalte von > 60 % ZrO2 und 0,3 % U3O8 als uranhaltiges Zirconiumerz gelten.cite-ref-brown-46-0[45]
âą Calyptolith (auch Caliptolith oder Kalyptolith) ist der von Charles Upham Shepard gewĂ€hlte Name fĂŒr einen winzige Kristalle bildenden Zirkon von der Chrysoberyll-LokalitĂ€t Haddam in Connecticut, USA.cite-ref-dana-47-0[46]
âą Cyrtolith (auch Kyrtolith) von griechisch ÎșÏ
ÏÏÏÏ fĂŒr âkrummâ wegen der gekrĂŒmmt erscheinenden PyramidenflĂ€chen ist die Bezeichnung von William J. Knowlton fĂŒr einen Zirkon aus dem Granit von Rockport in Massachusetts, USA.cite-ref-knowlton-48-0[47]
âą Engelhardit sind farblose bis gelblichweiĂe, durchsichtige und diamantglĂ€nzende Kristalle bis 12 mm GröĂe aus den Goldfeldern bei Tomsk, welche die trachtbestimmende Form {101} zeigen.cite-ref-hintze-30-7[29]
⹠Jargon ist eine strohgelbe bis nahezu farblose ZirkonvarietÀt.cite-ref-9-3[8.1]
âą Malakon von griechisch ΌαλαÎșÏÏ [malakos] fĂŒr âweichâ ist der von Theodor Scheerer vergebene Name fĂŒr einen zuerst von der Insel Hidra (frĂŒher HitterĂž) in Norwegen beschriebenen, undurchsichtigen und isotropisierten Zirkon.cite-ref-scheerer-50-0[49]
âą NaĂ«git ist eine vollstĂ€ndig metamiktisierte, Y-Th-U-reiche Zirkon-VarietĂ€t aus dem Pegmatit-Distrikt von NaĂ«gi, Japan.cite-ref-klockmann-5-9[5]cite-ref-mindat-25-1[24] Ăhnlich ist die Nb, Ta, Th und REE enthaltende VarietĂ€t Hagatalith, die im Unterschied zum NaĂ«git aber reicher an REE und Ă€rmer an Zirconium ist.cite-ref-mindat-hagatalite-51-0[50]
âą Nogizawalith benannte Teikichi Kawai eine Mixtur aus Xenotim und Zirkon.cite-ref-teikichi-kawai-52-0[51]
âą Oerstedtit ist ein meist auf Augitkristallen sitzender, metamikter Zirkon von Arendal, Aust-Agder, Norwegen. Johann Georg Forchhammer benannte die VarietĂ€t nach Hans Christian Ărsted.cite-ref-forchhammer-53-0[52]
âą Ostranit wurde von August Breithaupt nach der germanischen FrĂŒhlingsgöttin Ostra benannt und ist ein alterierter Zirkon, der wahrscheinlich aus Arendal, Aust-Agder, Norwegen stammt.cite-ref-breithaupt-1825-54-0[53]
âą Polykrasilith von griechisch ÏολÏÏ fĂŒr âvielâ und ÎșÏ៶ÏÎčÏ fĂŒr âMischungâ hergeleitet, ist die von Eduard Linnemann gewĂ€hlte Bezeichnung fĂŒr Zirkone aus North Carolina, USA aufgrund der Vielzahl der in ihnen spektroskopisch nachgewiesenen Elemente (Sn, Pb, Cu, Bi, Zr, Al, Fe, Co, Mn, Zn, Mg, Ur, Er, Ca, Ka, Na und Li).cite-ref-linnemann-55-0[54]
âą Ribeirit ist ein extrem yttriumreicher Zirkon aus Macarani, Bahia, Brasilien, der nach dem Professor fĂŒr Mineralogie Joaquim Costa Ribeiro benannt wurde.cite-ref-willer-florencio-22-1[21]
âą Als Tachyaphaltit wurden von Nils Johan Berlin dunkelrötlichbraune Kristalle in âgranitischen Ausscheidungen im Gneis bei Krageröâ benannt. Der Name wurde nach den griechischen Worten ÏαÏÏ fĂŒr âschnellâ und áŒÏαλÏÎżÏ fĂŒr âherabspringendâ gewĂ€hlt, weil die Kristalle beim Zerschlagen des Gesteins leicht herausspringen.cite-ref-berlin-56-0[55]
Bildung und Fundorte
Bildungsbedingungen
Zirkon gehört zu den frĂŒhesten Mineralbildungen der Erde und des Mondes (siehe auch Altersbestimmung). Die Ă€ltesten bekannten Zirkonkristalle haben ein Alter von bis zu 4,4 Milliarden Jahren. Als mikroskopisch kleiner, akzessorischer Gemengteil ist er in verschiedenen magmatischen Gesteinen praktisch weltweit vorhanden. Er ist als primĂ€res Kristallisationsprodukt Bestandteil von Magmatiten wie Graniten, Syeniten und Alkalisyeniten sowie insbesondere in deren Pegmatiten, daneben auch in Vulkaniten (Rhyolithen und Trachyten). GroĂe Einkristalle sind vor allem in pegmatitischen Nephelinsyeniten enthalten. In metamorphen Gesteinen (kristallinen Schiefern) tritt Zirkon als Nebengemengteil in Form von aus den Edukten vererbten Kristallen und Körnern auf.cite-ref-klockmann-5-10[5]cite-ref-r-sler-17-4[16] Sehr groĂe Kristalle und Zwillinge sind von Brudenell Township im Renfrew County, Ontario in Kanada, bekannt.cite-ref-hintze-30-8[29]
Infolge seiner Resistenz gegenĂŒber chemischer und mechanischer Verwitterung findet man Zirkon auch in Sedimentgesteinen sowie in detritischer Form, worunter man durch Erosion aus dem Gesteinsverband freigelegte, transportierte und abgelagerte Zirkone versteht. SolchermaĂen angereicherte Zirkone finden sich auch in Seifen, die zum Teil lagerstĂ€ttenrelevante GröĂenordnungen erreichen.cite-ref-klockmann-5-11[5]cite-ref-r-sler-17-5[16] DarĂŒber hinaus ist Zirkon auch auf alpinotypen KlĂŒften und in vulkanischen Sanidin-AuswĂŒrflingen zu finden.cite-ref-hochleitner-58-0[57]
Analysen der Form und KristallflĂ€chenausbildung von Zirkonen ermöglichen RĂŒckschlĂŒsse auf die Bildungsbedingungen und die weitere Entwicklung von Zirkonen.cite-ref-pupin-59-0[58]cite-ref-pupinturco-60-0[59]cite-ref-k-hler-61-0[60]cite-ref-vavra-1994-62-0[61]cite-ref-tietz-63-0[62]cite-ref-g-rtner-et-al-64-0[63] Bereits in den 1950er Jahren wurde davon ausgegangen, dass die Morphologie des Zirkons als FrĂŒhkristallisat die physikochemischen Bedingungen zur Zeit seiner Kristallisation widerspiegelt. Zu diesen physikochemischen Faktoren zĂ€hlen die chemische Zusammensetzung und ViskositĂ€t des Magmas sowie die OberflĂ€chenspannung der Kristalle gegenĂŒber der Schmelze und die UnterkĂŒhlungsrate der Schmelze.cite-ref-larsenpoldervaart-65-0[64] Daraus entwickelte Jean-Pierre Pupin die Theorie, dass in granitischen Schmelzen die relative GröĂenbeziehung der beiden hĂ€ufigsten Prismen des Zirkons â {100} und {110} â zueinander durch die Temperatur kontrolliert wird und die Ausbildung dieser beiden Prismen folglich als Geothermometer fĂŒr die Bildungstemperatur des jeweiligen granitischen Gesteins verwendet werden kann.cite-ref-pupin-59-1[58] Andererseits wird bestritten, dass die Ausbildung der PrismenflĂ€chen von der Temperatur des Magmas gesteuert wird und damit die Morphologie von Zirkonkristallen als Geothermometer angesehen werden kann.cite-ref-benisekfinger-66-0[65] So soll die Ausbildung der FlĂ€chenformen {100} und {110} der Zirkonkristalle vielmehr hauptsĂ€chlich durch chemische Bedingungen beeinflusst werden. Ein erhöhter Uran- und/oder Thoriumgehalt in einer granitischen Schmelze beeintrĂ€chtigt oder verhindert beispielsweise das Wachstum von {100} zugunsten von {110}, wodurch sich Kristalle mit durch das Prisma {110} dominierten Morphologien entwickeln.
Typische Begleitminerale des Zirkons sind â in AbhĂ€ngigkeit vom Muttergestein (hier im Sinne von Gestein, das nutzbare Minerale beziehungsweise Edelsteine enthĂ€lt) â die FeldspĂ€te (Albit und Mikroklin), Amphibole, Glimmer (Muskovit, Biotit, Phlogopit und Vermiculit) sowie Quarz.cite-ref-handbookofmineralogy-6-4[6] In Seifen wird das Mineral hĂ€ufig mit anderen stabilen Schwermineralen wie Turmalin, Topas, Kassiterit, Kyanit, Sillimanit, Korund, Granat, Spinell und gelegentlich auch Gold angetroffen.cite-ref-r-sler-17-6[16] Zirkonreiche SeifenlagerstĂ€tten werden in Indien, den USA, Australien, Sri Lanka und SĂŒdafrika abgebaut.
Als hĂ€ufige Mineralbildung konnte Zirkon bisher (Stand 2017) von ca. 5100 Fundorten beschrieben werden.cite-ref-mindatanzahl-67-0[66]cite-ref-fundorte-68-0[67] Eine TyplokalitĂ€t ist fĂŒr das Mineral jedoch nicht definiert. Angesichts der sehr groĂen Anzahl an Fundorten fĂŒr Zirkon können hier nur einige wenige, vor allem gröĂere Kristalle liefernde LokalitĂ€ten erwĂ€hnt werden.
Fundorte
Europa
Die am besten ausgebildeten Zirkone Deutschlands stammen aus AuswĂŒrflingen und Xenolithen der Vulkaneifel, Rheinland-Pfalz. Aus erstarrten Laven bei Niedermendig konnten rote Kristalle mit bis zu 3 cm LĂ€nge erhalten werden. Vulkanische Sanidin-AuswĂŒrflinge, z. B. aus dem Laacher-See-Gebiet, liefern Zirkone, die frisch rosafarben sind, aber meist zu farblosen bis grauweiĂen Tönen verblassen.cite-ref-hentschel-69-0[68] Ein deutliches Skelettwachstum mit pinsel- bis bĂ€umchenförmiger Ausbildung weisen Zirkone vom âEttringer Bellerbergâ (Steinbruch Caspar) bei Ettringen unweit Mayen auf. Im 15 km sĂŒdöstlich von Sebnitz liegenden âSeufzergrĂŒndelâ bei Hinterhermsdorf in der SĂ€chsischen Schweiz sind seit mindestens 1546cite-ref-agricola-1546-70-0[69] bis zu 10 mm groĂe Zirkonkristalle aus Seifen in einem schwermineralfĂŒhrenden Bach gewaschen worden.cite-ref-stelzner-71-0[70]cite-ref-m-dler-72-0[71]cite-ref-tietz-63-1[62] Georgius Agricola schreibt dazu:
â⊠colligitur etiam in Misenae rivo supra Hoensteinam arcem, distantem a stolpa ad V. M pass âŠâ
â
Georgius Agricola
â⊠gesammelt [wird er, der Hyazinth] auch in einem Bach des MeiĂner Landes oberhalb Burg Hohnstein, ungefĂ€hr 5 Meilen von Stolpen entfernt âŠâ
â
Georgius Agricola
Seifenfunde in der Göltzsch im SĂ€chsischen Vogtland und einigen ihrer ZuflĂŒsse fĂŒhrten ab 1994 zu den qualitativ besten und gröĂten Edelsteinzirkonen Europas.cite-ref-modalek-et-al-74-0[73] Diese stammen aus einem rund 1 km Durchmesser aufweisenden Diatrem bei Ebersbrunn sĂŒdwestlich Zwickau. Facettierte, lupenreine Zirkone aus diesen Seifen erreichen GröĂen von bis zu 1,7 cm und wiegen bis zu 11 ct. Der gröĂte facettierte Zirkon aus diesem Gebiet wurde aus einem braunroten Rohstein von 2 cm Ă 1,6 cm GröĂe und einem Gewicht von 10,2 g geschliffen. Der gröĂte âGöltzsch-Zirkonâ maĂ 4,4 cm Ă 3,6 cm Ă 3,8 cm und wog 120 g â er wurde allerdings nicht verschliffen. Von derartigen Zirkonen nimmt man an, dass sie vor dem Beginn des fluviatilen Transportes KantenlĂ€ngen von bis zu 5 cm aufgewiesen haben.cite-ref-modalek-et-al-74-1[73]
In der Schweiz wurden seit 1997 in Nephelinpegmatiten am Bergmassiv Gridone oberhalb des Centovalli in den Tessiner Alpen bis zu 9 cm groĂe, braunrosa bis rotbraun gefĂ€rbte Zirkone geborgen, die teils in grobspĂ€tigem Albit oder apatitfĂŒhrendem Biotit, teils am Kontakt von Albit zu Nephelin sitzen.cite-ref-girlanda-et-al-75-0[74]cite-ref-wei-et-al-76-0[75] Der einzige Zirkon aus einer alpinen Kluft in der Schweiz ist ein 3,5 mm Ă 2 mm groĂer Kristall, der aus der RimpfischwĂ€ng bei Zermatt im Wallis geborgen wurde.cite-ref-hintze-30-9[29] Daneben kennt man Zirkon aus dem Granit der Grimsel, Kanton Bern und Kanton Wallis, sowie aus dem Gneis des Piz Blas und Piz Rondadura im Val Nalps bei Sedrun im Kanton GraubĂŒnden in bis zu 1 mm groĂen Kristallen.
Aus Ăsterreich, insbesondere aus KlĂŒften im Amphibolit und Biotitschiefer des Totenkopfes oberhalb des Stubachtals im Salzburger Land kennt man Kristalle bis zu 2,5 mm GröĂe; weiterhin von der âAigner Alpâ bei Schellgaden im Murwinkel, Lungau, der âDorfer Alpeâ im Dorferbachtal bei PrĂ€graten, Virgental, Osttirol und vom âPrickler Haltâ, einem Kamm zwischen Ladinger Spitz und Speikkogel auf der Saualpe in KĂ€rnten.
In Italien fand man Zirkone in der âBurgumer Alpeâ im Pfitscher Tal, SĂŒdtirol und in der autonomen Region Trentino-SĂŒdtirol mit bis zu 1 cm groĂen Kristallen. Des Weiteren wurde das Mineral in âLe Preseâ, Sondalo im Veltlin, Provinz Sondrio in der Region Lombardei, und aus dem Steinbruch âCave dellâAcquaâ westlich von Figline di Prato bei Monte Ferrato, Provinz Prato, Toskana gefunden.cite-ref-hintze-30-10[29] Im französischen Zentralmassiv trat es in maximal 5 mm groĂen, hyazinth- oder ziegelroten, farblosen oder gelben Kristallen in Basalttuffen und Sanden des Riou Pezzouliou beim Dorf Espaly bei Le Puy-en-Velay, DĂ©partement Haute-Loire, Region Auvergne-RhĂŽne-Alpes sowie in Trachyt-Lavadomen des Puy-de-DĂŽme bei Clermont-Ferrand, DĂ©partement Puy-de-DĂŽme, Region Auvergne-RhĂŽne-Alpes auf.cite-ref-hintze-30-11[29]
In Norwegen fand man Zirkon vor allem im âStore Kufjordâ (eigentlich die Bezeichnung eines tief in die Insel schneidenden Fjordes) und anderen Pegmatiten auf der ca. 50 km nördlich von Alta liegenden Insel Seiland, Finnmark. Der zirkonreichste Nephelinsyenit-Pegmatit, 1,5 km lang und bis 10 m mĂ€chtig, befindet sich am Ostufer des Store Kufjord und lieferte bis 15 cm groĂe Kristalle, die durch die Ausbildung der zum Teil sogar trachtbestimmenden steilen Pyramide {301} ein verrundetes Aussehen aufweisencite-ref-wei-77-0[76]cite-ref-augsten-78-0[77] (vergleiche die Kristallzeichnung Nr. 7). Weitere norwegischen Fundstellen fĂŒr Zirkon sind Syenitpegmatite im Gebiet des plutonischen Larvik-Komplexes im Bereich des Langesundsfjordes in den Provinzen Vestfold und Telemark. BerĂŒhmte Fundstellen sind hier die Insel StokkĂžya, die SteinbrĂŒche âTuftenâ, âGranitâ und âAlmenningenâ im Tvedalen, der Steinbruch âSaga Iâ bei MĂžrje, die Svenner-Inseln bei Stavern sowie das Husefjell auf VesterĂžya bei Sandefjord. Bis zu 10 cm groĂe Zirkonkristalle stammen aus den SteinbrĂŒchen HĂ kestad und StĂ laker bei TjĂžlling.cite-ref-larsen-79-0[78] Zirkon, auch in epitaktischen Verwachsungen mit Xenotim-(Y), stammt aus dem Feldspatbruch âIgletjĂždnâ (Igletjern) beim Hof HĂŠstad und anderen Granitpegmatiten auf der sĂŒdsĂŒdwestlich von Flekkefjord liegenden Insel Hidra (HitterĂž), Vest-Agder. Insbesondere fĂŒr die ZirkonvarietĂ€t Alvit bekannt sind der ehemals im Lindvikskollen-Kalstadgangen-Pegmatit bauende Steinbruch âLindvikskollenâ und die Feldspatgrube âTangenâ, beide bei KragerĂž unweit Fredrikstad, Telemark.
An den Ufern des Ilmen-Sees im Ilmengebirge bei Miass im mittleren Ural, Oblast Tscheljabinsk, Russland, wurden bereits 1826 Kristalle mit teils sĂ€uligem, teils pyramidalem Habitus gefunden. Die bis zu 17 cm langen und 10 cm dicken Kristalle stammen aus Nephelinsyeniten (Miaskiten), miaskitischen Pegmatiten in Granitgneisen, Pegmatiten in Pyroxensyeniten sowie Granitpegmatiten. Eine der bekanntesten Fundstellen ist der Schurf âBljumovskaja kopâ.cite-ref-hintze-30-12[29]cite-ref-kolesartvrdy-80-0[79] Die ca. 120 km nordnordöstlich von Miass gelegenen ViĆĄnevye-Berge (ViĆĄnevogorsk) gehören wie das Ilmengebirge geologisch zum Syserts-Ilmenogorsk-Antiklinorium. Sie enthalten metasomatische Albitite, die sich aus alkalischen Gesteine miaskitischer Zusammensetzung ableiten. Diese Albitite, z. B. der an der LokalitĂ€t âKurochkin Logâ, liefern bis zu 10 cm groĂe Zirkonkristalle. Bis Mitte der 1990er Jahre wurden diese Albitite als Zirkon-Pyrochlor-Erz abgebaut.cite-ref-kolesartvrdy-80-1[79]
Auf der Halbinsel Kola in der Oblast Murmansk besitzen vor allem zwei Fundstellen Weltgeltung: Der âPeak Marchenkoâ des Berges Kukisvumchorr im Chibinen-Massiv und der âPegmatit Nr. 24â am Berg Vavnbed (deutsch: âNackter Hinternâ) im Lowosero-Massiv. Die erstere Fundstelle lieferte braune Kristalle bis zu 5 cm GröĂe, vom letzteren, in Albitpegmatiten liegenden Fundort kamen dipyramidale Zirkonkristalle (vergleiche die Kristallzeichnung Nr. 1) bis zu 9 cm GröĂe.cite-ref-kolesartvrdy-80-2[79]
Afrika
In Afrika werden Zirkone hauptsĂ€chlich in den Edelsteinpegmatiten und -seifen in Madagaskar, vor allem in der Provinz Fianarantsoa, gefunden. Bekannte Fundorte sind die âSakavalana Mineâ (gleichzeitig TyplokalitĂ€t fĂŒr Pezzottait) bei Ambatovita unweit Mandrosonoro, Distrikt Ambatofinandrahana, Region Amoronâi Mania, und die PhlogopitlagerstĂ€tte âSakasoaâ im District Iakora, Region Ihorombe, wobei âSakasoaâ auch Zirkon-Kniezwillinge geliefert hat. Weitere bekannte Fundstellen befinden sich in der Region Anosy. Dazu zĂ€hlen Itrongay bei Mahasoa East, Distrikt Betroka, sowie die Gemeinde Tranomaro im Distrikt Amboasary. Zirkone stammen auch aus den Pegmatiten von Ampanobe im gleichnamigen Pegmatitfeld bei Ankazobe im Distrikt gleichen Namens, Region Analamanga.
Eine weitere weltbekannte Zirkonfundstelle sind die Alkalipegmatite um den Mount Malosa bei Zomba auf dem gleichnamigen Plateau und im gleichnamigen Distrikt in Malawi. Sie gehören geologisch zur Alkaligesteinsprovinz Chilwa und sind fĂŒr ihre groĂen Aegirin-, Feldspat- und Arfvedsonit-Kristalle sowie seltene Berylliumminerale und Minerale mit Metallen der Seltenen Erden berĂŒhmt.
Etwa seit dem Jahr 2000 werden auch bei Imilchil im Hohen Atlas, Provinz Errachidia, Region DrĂąa-Tafilalet in Marokko, Zirkone gefunden. Zu den Fundpunkten zĂ€hlen der ca. 18 Kilometer sĂŒdöstlich von Imilchil liegende Gebirgspass Tizi-n'-Inouzane (Tizi-n-Ouazane) mit knapp zentimetergroĂen Kristallen auf Feldspat sowie der Berg âJebel Ewargizenâ bei Tirrhist. Neben Granat, Apatit und Magnetit findet sich hier in Pegmatiten in Episyeniten auch Zirkon.
Eine Reihe von Fundstellen fĂŒr Zirkon existiert auch in Mosambik. Dazu zĂ€hlen der Monte Salambidua bei Tete in der gleichnamigen Provinz sowie der 140 km nordöstlich von Lichinga bei der Ansiedlung Navago in der Provinz Niassa liegende Carbonatit von Luicuisse. Viel hĂ€ufiger ist Zirkon aber in den Pegmatiten und TantallagerstĂ€tten des âAlto-Ligonha-Distriktâ sensu lato in der Provinz Zambezia. Zu den Fundpunkten gehören der Pegmatit von MuiĂąne (Emdal Mines) und die benachbarten Pegmatite Naipa, Maridge, Nanro, Nacuissupa und Nihire, die Isabela Mine und die Niesse Mine, die Pegmatitgruppe Muhano-Majamala-Cochiline, die Pegmatitgruppe Mocachaia-Alata-Intotcha-Nahora, die Pegmatitgruppe Namacotcha-Conco-Napire-Nassupe-Munhamola-Moneia, die Pegmatitgruppe Namivo-Tomeia-Nampoça und der Marropino-Pegmatitcite-ref-diaswilson-81-0[80] sowie die Pegmatite von Boa Esperança, Namecuna, Namirrapo und Nuaparra.cite-ref-barros-vicente-82-0[81] Von Namecuna wurden Kristalle bis zu 6,5 cm Ă 3,5 cm Ă 3,5 cm beschrieben. In den genannten LokalitĂ€ten findet sich der Zirkon in den inneren Zonen der Pegmatite in Begleitung von Quarz, Bismutit und verschiedenen Vertretern der Columbitreihe â in einigen Pegmatiten auch in Verwachsungen mit Xenotim-(Y) oder Mikrolith. Die yttrium-, niob-tantal-, thorium- und uranreiche ZirkonvarietĂ€t NaĂ«git wurde im Nuaparra-Pegmatit beobachtet und dort von Quarz, Bismutit, Thorit, Rhabdophan und Metatorbernit begleitet. Die REE-, uran- und thoriumreiche VarietĂ€t Cyrtolith fand sich in Morrua, wĂ€hrend alterierte, brĂ€unliche Zirkone der VarietĂ€t Malakon im Gebiet von Ribaue identifiziert worden sind. Einige Zirkone aus dem Alto-Ligonha-Distrikt, insbesondere die von Namacotcha, weisen hohe Gehalte an HfO2 bis zu 32 Gew.-% auf.cite-ref-barros-vicente-82-1[81]cite-ref-c-lek-83-0[82]
Asien
In Asien wird Zirkon seit altersher aus den Edelsteinseifen auf Ceylon, heute Sri Lanka, âin erheblicher Mengeâcite-ref-hintze-30-13[29] gewonnen. Die Fundorte befinden sich vor allem in einem vergleichsweise groĂen Gebiet um die Stadt Ratnapura (Sinhala: âStadt der Juwelenâ) im Distrikt Ratnapura in der Provinz Sabaragamuwa. Ebenfalls im Distrikt Ratnapura befinden sich zwei Fundstellen, die bis zu 10 cm groĂe Zirkonkristalle geliefert haben. Dies sind der âGiant Crystal Quarryâ bei Embilipitiya und CalcitgĂ€nge in hochmetamorphen Biotitgneisen in den Katukubura Hills bei Kolonne.
In Afghanistan sind Zirkone vor allem aus dem Pegmatitfeld von Dara-i-Pech (Pech-Tal) im Distrikt von Chapa Dara, Provinz Kunar, bekannt. Die Be-Nb-Ta-Li-reichen Pegmatite liefern rote scharfkantige Kristalle von bis zu 8 cm GröĂe und meist dipyramidalem Habitus. Ebenfalls im Tal von Pech befindet sich das Fundgebiet von Manogay (Managi). Muttergestein der Zirkonkristalle sind hier aber nicht Pegmatite, sondern proterozoische Marmore.
Zahlreiche Fundorte fĂŒr ausgezeichnet ausgebildete Zirkone befinden sich in Pakistan. Hierzu gehören das 15 km nordnordwestlich von Astore im Tal des Astor liegende Dorf Harchu, Distrikt Astore; miarolithische Granitpegmatite im Stak-Tal bei Stak Nala, Rakaposhi-Haramosh-Berge, Distrikt Skardu, Baltistan; Alchuri im Shigar-Tal, Distrikt Skardu, Baltistan; die Granitpegmatite von Chilas, Distrikt Diamir, alle in Gilgit-Baltistan (ehemals Northern Areas), sowie der 40 km nordnordwestlich von Peschawar bei Hameed Abad Kafoor Dheri liegende Zagi Mountain (Shinwaro), Khyber Pakhtunkhwa (ehemals North-West Frontier Province). Bei dem letztgenannten Fundort handelt es sich um ein 3 km Ă 5 km groĂes Gebiet mit zahlreichen alpinotypen KlĂŒften.cite-ref-mindat-25-2[24]
Meist um Einzelkristalle â gelegentlich idiomorph, hĂ€ufiger mehr oder weniger stark abgerollt â handelt es sich bei Funden von Zirkonkristallen in Myanmar. Dazu zĂ€hlen das EdelsteinschĂŒrfgebiet âThabeikkyinâ östlich der gleichnamigen Stadt (Thabeikkyin oder Tha Pate Kyin Township) im Bereich der unteren AbhĂ€nge des Shan-Plateaus in Richtung Mogok, sowie âBaw-lon-gyi Westâ (Bon-lon West) bei der Stadt Kyatpyin unweit Mogok, beide im Distrikt Pyin U Lwin in der Mandalay-Region in Myanmar. Im Bereich der letzteren Fundstelle werden aus kiesigen Alluvionen neben Zirkonen auch Spinelle, Rubine und blaue Saphire sowie Painit gewonnen.cite-ref-themelis-84-0[83]
Nordamerika
In den Vereinigten Staaten kennt man zahlreiche interessante Fundstellen fĂŒr Zirkon, darunter vor allem Granitpegmatite in North Carolina. Zu den bekanntesten zĂ€hlt zweifellos die 1869 von General Clingman entdeckte âFreeman Mineâ bzw. âMeredeth Freeman Zircon Mineâ bei Tuxedo im âZirconia Pegmatite Districtâ innerhalb des Henderson County. Von den hier zu findenden graubraunen Zirkonkristallen beutete Clingman âin wenigen Wochen 1000 Pfundâcite-ref-hintze-30-14[29] aus â auch Zwillinge nach mehreren Gesetzen. Ein ehemals auf Vermiculit abgebauter Pegmatit im âTigerville Prospectâ, Greenville County, South Carolina, lieferte bis zu 3 cm groĂe Zirkone. Aus einem unbenannten Pegmatit bei Mellen im Ashland County, Wisconsin, wurden bis zu 20 cm lange, feinnadelige Kristalle (âcrystals of zircon up to 7 1/4 inches long and 1/16 to 1/8 inch in diameterâ)cite-ref-wilcox-85-0[84] beschrieben. In Graniten bei Haddam, Connecticut wurden ebenfalls Zirkone gefunden, darunter auch als âCalyptolithâ bekannte von der Chrysoberyll-LokalitĂ€t Haddam, Middlesex County.cite-ref-dana-47-1[46] Nach George Frederick Kunz wurden Zirkone als âschöne schwarze Kristalleâ nahe Franklin, Sussex County, New Jersey gefunden.cite-ref-hintze-30-15[29]
Im Bundesstaat New York sind seit langem verschiedene Fundstellen bekannt, die gröĂere Kristalle geliefert haben. Am Ausgang der âTwo Pondsâ im Orange County fand man Kristalle bis 2 cm LĂ€nge zusammen mit Skapolith, Pyroxen und Titanit; am âDeer Hillâ sĂŒdöstlich von Canterbury dunkelbrĂ€unlichrote bis schwarze Kristalle von bis zu 3 cm LĂ€nge und bei Amity, Town of Warwick, weiĂe, rötlich- und nelkenbraune sowie schwarze Kristalle. Bei âDianaâ, Diana Township, Lewis County, traten bis zu 4 cm lange Kristalle zusammen mit Titanit und Skapolith; im St. Lawrence County mit Apatit in körnigen Kalksteinen bei âRobinsonâsâ und bei Longâs Mills (Harder Farm?) im Gebiet von Hammond bis 3 cm lange Kristalle sowie bei Rossie, bei Fine (âFred Scott Farm Pegmatitesâ) und bei Pitcairn auf.cite-ref-hintze-30-16[29]
Aus der âCrystal King Zircon Mineâ (âAshton Locationâ) im Wichita Mountains Wildlife Refuge bei Indiahoma, Comanche County, Oklahoma wurden scharfkantige, glĂ€nzende, brĂ€unlichrote Kristalle bis zu 2 cm GröĂe geborgen. In den 1950er und 1960er Jahren wurde Zirkon im nahegelegenen, im kambrischen Quanah-Granit sitzenden âHale Spring Pegmatiteâ abgebaut. In Colorado vom âMount Cheyenneâ, richtiger wohl aus dem Gebiet âNorth Cheyenne Cañon â Helen Hunt Falls Areaâ bei Colorado Springs, El Paso Co. fand man glĂ€nzende rötlichbraune, fleischrote oder grĂŒne, pyramidale Zirkonkristalle. Vom âSt. Peters Domeâ im Cheyenne bzw. St. Peters Dome District, El Paso County stammen scharfkantige, pyramidale, braunrosa Zirkonkristalle bis zu 2 cm GröĂe. SchlieĂlich sind von der âPacoima Canyon Pegmatite Localityâ (REE-U-Th) im Allanitpegmatit des Pacoima-Canyon, San Gabriel Mountains, Los Angeles County, Kalifornien, prismatische Zirkonkristalle bis zu 5 cm LĂ€nge bekannt.
Aus Syenitpegmatiten und Linsen in Syenitgneisen der 23 km sĂŒdwestlich von Eganville liegenden LokalitĂ€t âKuehl Lakeâ bei Brudenell Township, Renfrew County, Ontario in Kanada, kamen sehr groĂe, brĂ€unlich- bis hyazinthrote, opake Kristalle bis zu 30 cm LĂ€nge und 10 cm Breite, die zusammen mit Apatit, Titanit, Hornblende und Calcit gefunden worden sind. Die Fundstelle ist seit den frĂŒhen 1880er Jahren bekannt.cite-ref-sabina-86-0[85] Die gleichfalls im Renfrew County liegende âTurnerâs Island Mineâ befindet sich am Nordende von Turners Island im Lake Clear, ca. 5 km östlich des Westendes des Sees und 12 km sĂŒdwestlich von Eganville bei Sebastopol Township. Sie ist ebenfalls seit dem 19. Jahrhundert bekannt und gehört aufgrund der hier vorkommenden Riesenkristalle zu den legendĂ€ren Fundstellen der Welt. Aus den GĂ€ngen, die hier durch Hornblendegneise setzen, kennt man neben einem Zirkonkristall von einem FuĂ (ca. 30 cm) LĂ€nge, einen 700 Pfund (ca. 315 kg) schweren Apatit, einen gleichfalls einen FuĂ langen Titanitkristall sowie Titanitkristalle bis zu 18 kg Gewicht. Von hier stammen auch mehrere Zentimeter groĂe, verzwillingte Zirkonkristalle,cite-ref-sabina-86-1[85] ferner auch aus der fĂŒr ihre âBetafitâ-Kristalle berĂŒhmten âSilver Crater Mineâ (Basin Property), Faraday Township, Hastings County. An diesem wahrscheinlich eine Carbonatit-Intrusion in Biotitamphibolite und syenitisierte Gneise darstellenden Fundort ist der Zirkon hĂ€ufig mit Betafit vergesellschaftet. In der Regionalen Grafschaftsgemeinde TĂ©miscamingue in der Region Abitibi-TĂ©miscamingue in QuĂ©bec ist entlang der Ostseite und der HĂŒgel des Lake Sheffield der regionalmetamorph ĂŒberprĂ€gte Alkaligesteinskomplex von Kipawa aufgeschlossen, der in mafischen Gneisen Pegmatit-Linsen aus grobkörnigem Eudialyt, Feldspat, Nephelin, Agrellit und unterschiedlichen Vertretern der Wöhleritgruppe sowie Alkali-Amphibolite und nichtagpaitische Nephelinsyenite enthĂ€lt. Hier finden sich beige-rötliche bis rötlichbraune, zentimetergroĂe Zirkonkristalle, die zum Teil mit Magnesiokatophorit und/oder Mosandrit vergesellschaftet sind. SchlieĂlich wurden im âPoudrette Quarryâ am Mont Saint-Hilaire, Regionale Grafschaftsgemeinde La VallĂ©e-du-Richelieu, MontĂ©rĂ©gie, QuĂ©bec, winzige, aber perfekt ausgebildete dipyramidale Kristalle von gelber Farbe gefunden, die als âJargonâ bezeichnet worden sind.
SĂŒdamerika
In Brasilien kommen braune bis nahezu weiĂe, opake Zirkonkristalle von bis zu mehreren Zentimetern GröĂe sowie Megakristalle von mehr als 50 kg Gewicht aus Nephelinsyeniten im Alkaligesteinskomplex von Peixe, Bundesstaat Tocantins vor. Ein hĂ€ufig genannter Fundstellenname ist âAlminhasâ.cite-ref-cornejobartorelli-87-0[86]cite-ref-kitajima-et-al-88-0[87]
Der Alkaligesteinskomplex von Poços de Caldas in Minas Gerais lieferte unter anderem grĂŒnliche dipyramidale Kristalle, die in HohlrĂ€umen in Baddeleyit sitzen oder massige Aggregate aus âCaldasitâ bilden â einer nur hier vorkommenden Mixtur aus Zirkon und Baddeleyit. Metamikter Zirkon in Kristallgruppen bis ĂŒber 6 cm GröĂe trat im Pegmatit âAlto Assis Moraesâ in Santa Luzia, ParaĂba, auf.cite-ref-cornejobartorelli-87-1[86] Aus der Region âNaqueâ in Minas Gerais wurden kastanienbraune Zirkon-Hafnon-Mischkristalle von mehreren Zentimetern LĂ€nge gemeldet.cite-ref-cornejobartorelli-87-2[86]
Australien und Ozeanien
Zu den Fundstellen mit den weltweit gröĂten Zirkonkristallen zĂ€hlt âMud Tankâ bei Alcoota Station, Strangways Range, Central Desert Region, Northern Territory, Australien. Mud Tank ist eine in Carbonatiten sitzende Vermiculit-Zirkon-LagerstĂ€tte, die im Tagebau abgebaut wird. Das Sammelgebiet von Mud Tank befindet sich in 6 km Entfernung vom Plenty Highway. Die hier gefundenen Zirkonkristalle können GröĂen bis zu 2,5 cm erreichen, sind honig- bis zimtbraun, wachsglĂ€nzend und weisen hĂ€ufig durchscheinende Bereiche auf.
Auch in einigen Mineralproben vom Meeresboden im Gebiet des Mittelatlantischen RĂŒckens und des SĂŒdwestindischen RĂŒckens sowie aus Tiefbohrungen vor der KĂŒste von New Jersey wurde Zirkon gefunden, ebenso in einigen vom Mond stammenden Gesteinsproben.cite-ref-fundorte-68-1[67]
Verwendung
Altersbestimmung in der Geologie
Seit der Entwicklung der radiometrischen Altersbestimmung kommt Zirkonen besonders in der Geochronologie Bedeutung zu, da sie Spuren der radioaktiven Nuklide 235U, 238U und 232Th (von 10 ppm bis zu 5 Gew.-%) enthalten. Alle diese Isotope zerfallen ĂŒber Zerfallsreihen zu verschiedenen Bleiisotopen. Durch Messen der entsprechenden Uran-Blei- bzw. Thorium-Blei-VerhĂ€ltnisse kann das Kristallisationsalter eines Zirkons bestimmt werden. VerhĂ€ltnisse stabiler Isotope geben Auskunft ĂŒber die Umgebung, in der die Kristalle entstanden sind. Zirkone bewahren diese Information, da sie gegenĂŒber geologischen EinflĂŒssen wie Verwitterung und selbst hochgradiger Gesteinsmetamorphose Ă€uĂerst resistent sind. So deuten Zirkone vom Mount Narryer und aus den Jack Hills im Narryer-Gneis-Terran, Yilgarn-Kraton, Westaustralien, die mit einem Alter von 4,404 Milliarden Jahren die Ă€ltesten bisher auf der Erde gefundenen Minerale darstellen, auf eine ĂŒberraschend frĂŒhe Existenz kontinentaler Kruste und auf einen flĂŒssigen Ozean hin.cite-ref-cavosie-et-al-2019-89-0[88] Die Jack Hills liegen sĂŒdlich vom Murchison River an der Grenze zwischen dem Shire of Murchison und dem Shire of Meekatharra, etwa 800 km nördlich von Perth. Als Ă€ltestes datiertes Mineral Europas gilt ein 3,69 Milliarden Jahre alter Zirkonkristall aus Gneisen, die im Ăvre-Pasvik-Nationalpark im Norden Norwegens, unweit der Stadt Kirkenes im Pasviktal in der Gemeinde SĂžr-Varanger, anstehen.cite-ref-kepezhinskas-90-0[89] Zirkone in einer Mondgesteinsprobe (Brekzie 72215) wurden auf 4,417 Milliarden Jahre datiert und zeigen damit einen sich lĂ€nger hinziehenden Erstarrungsprozess der Mondkruste nach Entstehung des Mondes an.cite-ref-nemchin-et-al-2009-91-0[90]
Provenienzanalyse in der Sedimentpetrologie
Eine wichtige Rolle spielt der Zirkon bei der Analyse des Schwermineralspektrums von Sedimentgesteinen. Durch Bestimmung von Kristalltracht und Kristallhabitus (dazu zÀhlt auch das LÀngen-/BreitenverhÀltnis und der Abrollgrad) der Zirkone sowie der Ermittlung ihres Spurenelementgehaltes können die Liefergebiete der Sedimente mit ihren diskreten Gesteinstypen eingegrenzt oder sogar zugeordnet sowie die Aufarbeitung, mechanische Abrasion und Sortierungseffekte umfassenden Transportprozesse bis zum Ablagerungsraum der Sedimente im Idealfall auch quantifiziert werden.cite-ref-boenigk-92-0[91]
Schmuckstein
Aufgrund seiner hohen BG-Dispersion von 0,038 (im Vergleich dazu: Diamant: 0,044, Zirkonia: 0,066 und Quarz: 0,013) sind gröĂere Exemplare geschĂ€tzte Schmucksteine. Farblose Zirkone erhalten meist Brillantschliff, farbige Steine auch Treppenschliff.cite-ref-9-5[8.1] Durch WĂ€rmebehandlung kann die Farbe von braunen oder braunroten bzw. trĂŒben Zirkonen verĂ€ndert werden. GefĂ€rbte Zirkone werden durch GlĂŒhen unter oxidierenden Bedingungen (850â900 °C) farblos oder gelb bis rotgelb. Bei WĂ€rmezufuhr unter reduzierenden Bedingungen (900â1000 °C) entstehen blaue Kristalle.cite-ref-hintze-30-17[29]cite-ref-bayerwiedemann-26-1[25]cite-ref-trueb-23-1[22] FĂŒr Laien ist eine Unterscheidung des farblosen Zirkons von Diamant nur schwer möglich, da beide Minerale vergleichbare Brillanz und Dispersion (âFeuerâ) aufweisen. Diese Eigenschaften fĂŒhrten zu der Bezeichnung Matara-Diamant. Solche farblosen, in Sri Lanka vorkommenden Zirkone hielt man im 19. Jahrhundert fĂŒr minderwertige Diamanten.cite-ref-bayerwiedemann-26-2[25] Ebenso ist fĂŒr Laien eine Verwechslung des blauen Zirkons mit Spinell möglich. FĂŒr farbige Zirkone existieren diverse Handelsnamen. Als Ratanakiri, abgeleitet von âRatanakiriâ (kambodschanisch fĂŒr âEdelsteinbergâ), werden blaue Zirkone aus der Provinz Preah Vihear in Kambodscha bezeichnet. Auch mit dem Terminus Starlit wurde eine ZirkonvarietĂ€t benannt, die durch Brennen anderer Zirkone bei hohen Temperaturen einen blauen Farbton erhĂ€lt.cite-ref-9-6[8.1] Kaduna-Zirkone stammen aus Nigeria und zeichnen sich durch eine honiggelbe FĂ€rbung aus.cite-ref-mineralienatlas-35-3[34] Die durch Brennen erhaltenen Farben sind jedoch nicht immer bestĂ€ndig â ultraviolette Strahlung und/oder das direkte Sonnenlicht können VerĂ€nderungen der FĂ€rbung bewirken.cite-ref-9-7[8.1]
Einer der gröĂten bekannten geschliffenen Zirkone wird in der Smithsonian Institution aufbewahrt. Er ist von brauner Farbe und hat ein Gewicht von 105,80 Karat.cite-ref-renesim-com-93-0[92]
Weitere
Zirkon ist das wichtigste Erz sowohl fĂŒr Zirconium als auch Hafnium. Zirconium findet Verwendung als Legierungsmetall (Ferrozirkon) und â in Form der korrosionsfesten Legierung Zirkalloy (mit kleinen Mengen von Eisen, Chrom und Zinn) â als Reaktormaterial. Hier wird es wegen seines geringen Neutroneneinfangquerschnitts als HĂŒllmaterial fĂŒr BrennstoffstĂ€be verwendet. Zirconium-Niob-Legierungen weisen supraleitende Eigenschaften auf, auch enthalten die meisten Superlegierungen auf Nickel- und Cobalt-Basis zwischen 0,03 und 2,2 % Zirconium. GlĂ€ser aus Zirconiumfluoriden weisen eine extrem groĂe InfarotdurchlĂ€ssigkeit auf und werden daher in der Glasfasertechnik verwendet. Zirkonglas dient der Ummantelung von radioaktiven AbfĂ€llen (z. B. Plutonium) zur Endlagerung, wobei die BehĂ€lter nach aktuellen Forschungen etwa 2000 Jahre der Strahlung standhalten. Wissenschaftler um Ian Farnan vom britischen Cambridge Nuclear Energy Centre an der University of Cambridge haben allerdings in Experimenten herausgefunden, dass die erwartete Haltbarkeit des Zirkonglases gegen das Plutoniumisotop 239Pu nur etwa 210 Jahre betrĂ€gt.cite-ref-farnan-94-0[93]
Bei dem aus Zirconium hergestellten Zirkonia handelt es sich um kĂŒnstlich hergestellte Einkristalle aus Zirconium(IV)-oxid, die in der kubischen Hochtemperaturphase stabilisiert wurden und hĂ€ufig als preiswerte Diamantimitation fĂŒr Schmuck verwendet werden.cite-ref-florian-neukirchen-95-0[94] Zirkonia lĂ€sst sich optisch nur schwer von Diamanten unterscheiden â hierfĂŒr wird die unterschiedliche WĂ€rmeleitfĂ€higkeit beider Substanzen verwendet. WĂ€hrend Diamanten besonders gut wĂ€rmeleitend sind, leiten Zirkonia WĂ€rme besonders schlecht. Weitere relativ einfache und durch zerstörungsfreie Messverfahren zu ermittelnde Unterschiede zum Diamanten sind die unterschiedliche Lichtbrechung (Brechungsindex Zirkonia 2,18, Diamant 2,42), Dispersion (Zirkonia 0,066, Diamant 0,044) und Dichte (Zirkonia 5,8 g/cmÂł, Diamant 3,5 g/cmÂł). Stabilisiertes Zirkoniumoxid wird in verschiedenen Formen und Dimensionen hergestellt. Da die Verbindung ZrO2 einen extrem hohen Schmelzpunkt aufweist, werden schlickergegossene Ziegelsteine aus polykristallinem Zirkon oder Tiegelmaterial aus Zirkonia zur Herstellung mechanisch widerstandsfĂ€higer, sĂ€urebestĂ€ndiger und hochfeuerfester Werkstoffe verwendet. Solche hochfeuerfesten Oxidkeramiken weisen nur geringe WĂ€rmeleitung und thermische Ausdehnung auf.
In der chemischen Industrie findet Zirconium Anwendung bei der Herstellung von SpinndĂŒsen, Rohren, RĂŒhrern, Ventilen und WĂ€rmetauschern. Zusammen mit Aluminiumoxid bzw. Korund findet Zirkon als Formsand in GieĂereien, in der Glasindustrie und als Schleifmittel Verwendung. Poröse, ZrO2-basierte Keramiken sind ausgezeichnete WĂ€rmeisolatoren â so können in BehĂ€ltern aus Zirkonia HochtemperaturglĂ€ser und Metalle mit hohem Schmelzpunkt geschmolzen werden. Zirkonia wird auch zur Herstellung von Schmelztiegeln und abrasionsfesten Werkstoffen wie beispielsweise Zahnimplantataufbauten und Zahnkronen/-brĂŒckengerĂŒsten verwendet.
Anwendung findet Zirkonia schlieĂlich auch in Form von polykristallinen Fasern zur VerstĂ€rkung in Verbundwerkstoffen (englisch composite material) und allgemein fĂŒr Höchsttemperatur-Isoliermaterialien. Die Hauptanwendungsgebiete der ZrO2-Fasern sind Hochtemperaturöfen sowie Hitzebarrieren in Raketen, RaumfĂ€hren und Abschussrampen. Mit solchen Fasern isolierte Hochtemperatur-Laboröfen lassen sich sehr schnell aufheizen und anschlieĂend auch sehr schnell wieder abkĂŒhlen. FĂŒr die Herstellung von glasfaserverstĂ€rktem Zement entwickelte âCemfilâ-Glasfasern enthalten einen hohen Anteil an Zirkon und sind dadurch besonders alkalibestĂ€ndig. Diese Fasern erreichen zwar nicht dieselben VerstĂ€rkungseffekte wie Asbest, stellen aber wegen ihrer UnschĂ€dlichkeit gute Ersatzmaterialien fĂŒr Asbestfasern dar.cite-ref-bayerwiedemann-26-3[25]
Andere Zirconium-Verbindungen werden fĂŒr Glasuren in der keramischen und in der Glasindustrie verwendet. Zu solchen mit Zirkon hergestellten Spezialkeramikprodukten zĂ€hlen Zirkonporzellan, Zirkonsteatit, Zirkonglasuren und Zirkonemails. Die bei der Verbrennung von Zirconium entstehende Flamme weist eine Temperatur von 4660 °C auf und gibt ein reinweiĂes, sonnenartiges Licht ab. Daher wird Zirconium in Blitzlampen sowie in Feuerwerk und Leuchtspurmunition benutzt. Airbag-Gasgeneratoren und pyrotechnische Sicherheitsgurtstraffer enthalten ebenfalls Zirconium.cite-ref-trueb-23-2[22]cite-ref-bayerwiedemann-26-4[25]cite-ref-okruschmatthes-96-0[95]
âZirkonâ in der Medizin
In der populĂ€rwissenschaftlichen Literatur wird Zirkon mitunter fĂ€lschlich als moderner Hochleistungswerkstoff in der Wiederherstellungsmedizin, vor allem der Zahnmedizin, genannt. Dabei ist jedoch regelmĂ€Ăig nicht das ĂŒber seine chemische Formel ZrSiO4 definierte Silikat Zirkon gemeint, sondern Zirkoniumdioxid ZrO2 mit geringen Beimengungen von Yttriumoxid zur Optimierung der Materialeigenschaften. Das Silikat Zirkon hingegen wird in der Wiederherstellungsmedizin nicht eingesetzt.
In den Natur- und heilkundlichen Schriften der mittelalterlichen Nonne und Universalgelehrten Hildegard von Bingen ist unter anderem die Verwendung von Hyazinth als Heilstein ĂŒberliefert. Je nach DurchfĂŒhrung vorgeschriebener Anwendungsregeln soll er in der Lage sein, SehschwĂ€che, trĂŒbe Augen und Augenschmerzen, Fieber, Herzbeschwerden und durch teuflische Zauber ausgelösten Wahnsinn zu heilen. Zudem könne er durch seine innere WĂ€rme bei MĂ€nnern und Frauen das âFeuer des Blutesâ (Libido) auslöschen.cite-ref-98[96.1]
Der von Hildegard von Bingen beschriebene Hyazinth entspricht jedoch nicht der heute unter diesem Begriff bekannten gelbroten bis braunen ZirkonvarietĂ€t, auch wenn dies in vielen aktuellen esoterischen Publikationen fĂ€lschlich behauptet wird. Im griechischen Wortursprung ist áœÎŹÎșÎčÎœÎžÎżÏ âHyacinthusâ die Bezeichnung fĂŒr einen blauen Farbton und die gleichnamige Blumengattung. Bei dem historischen Hyazinth handelte es sich demnach um einen blauen Stein
âEr [der Stein] trĂ€gt den Namen einer Blume und hat die Farbe des Himmels.â
â
nach
Plinius dem Ălteren
,
Naturalis historia 27
Dennoch wird der Zirkon auch von heutigen Esoterikern als bedeutender Heilstein angesehen, der angeblich Krampfadern und Wasserblasen an Beinen und FĂŒĂen beseitigen sowie Hodenerkrankungen heilen können soll. Daneben wird er nach Uyldert (1983) in der VarietĂ€t Hyazinth als Planetenstein dem Jupiter und nach Richardson und Huett (1989) als Zirkon dem Pluto zugeordnet. Als Amulettstein ist der Zirkon dem Tierkreiszeichen Jungfrau und als Monatsstein dem Dezember zugeordnet.cite-ref-100[8.2]
Trivia
Ein Roter Zirkon spielt bei dem 2015 von Bert Saurbier veröffentlichten, gleichnamigen Eifel-Thriller die zentrale Rolle. In einem geheimen Forschungszentrum auf Burg Vogelsang mitten im Nationalpark Eifel arbeitet ein internationales Expertenteam daran, das Geheimnis um einen etwa zwei Meter langen, feuerroten Zirkonkristall zu lĂŒften. Dieser steckte in einem Milliarden Jahre alten australischen Meteoriten und erzeugt ein Kraftfeld, das Objekte in seiner NĂ€he deutlich an Gewicht verlieren lĂ€sst.cite-ref-saurbier-101-0[97]
Siehe auch
Literatur
âą John M. Hanchar, Paul W. O. Hoskin (Hrsg.): Zircon (= Mineralogical Society of America [Hrsg.]: Reviews in Mineralogy and Geochemistry. Band 53). 2003, ISBN 978-0-939950-65-2, S. 1â500 (minsocam.org â Umfassendste und aktuelle Arbeit ĂŒber Zirkon).
âą Hans JĂŒrgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag fĂŒr Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 468â471.
âą Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 669â670 (Erstausgabe: 1891).
âą Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 681â683.
âą Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie. Eine EinfĂŒhrung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und LagerstĂ€ttenkunde. 7., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer, Berlin [u. a.] 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 122â124.
âą Gunnar Ries: Zirkon als akzessorisches Mineral. In: Der Aufschluss. Band 52, 2001, S. 381â383.
âą Gerhard Bayer, Hans-Georg Wiedemann: Zirkon â vom Edelstein zum mineralischen Rohstoff. In: Chemie in unserer Zeit. Band 15, Nr. 3, 1981, S. 88â97, doi:10.1002/ciuz.19810150305.
Weblinks
Wiktionary: Zirkon
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Commons
: Zirkon (Zircon)
â Sammlung von Bildern und Audiodateien
âą Zirkon. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung; abgerufen am 10. MĂ€rz 2025
âą IMA Database of Mineral Properties â Zircon. In: rruff.info. RRUFF Project; abgerufen am 10. MĂ€rz 2025 (englisch).
âą Zircon search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF); abgerufen am 10. MĂ€rz 2025 (englisch).
âą American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database â Zircon. In: rruff.geo.arizona.edu. Abgerufen am 10. MĂ€rz 2025 (englisch).
Einzelnachweise
cite-note-warr-11. Laurence N. Warr: IMAâCNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291â320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 351 kB; abgerufen am 10. MĂ€rz 2025]).
cite-note-strunznickel-22. Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbartâsche Verlagsbuchhandlung (NĂ€gele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 543 (englisch).
cite-note-ima-liste-33. Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals â A Work in Progress â Updated: September 2025. (PDF; 3,2 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, September 2025, abgerufen am 27. Oktober 2025 (englisch).
cite-note-webmineral-44. David Barthelmy: Zircon Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 9. MĂ€rz 2025 (englisch).
cite-note-klockmann-55. Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 669â670 (Erstausgabe: 1891).
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cite-note-pichler-schmitt-riegraf-77. Hans Pichler, Cornelia Schmitt-Riegraf: Gesteinsbildende Minerale im DĂŒnnschliff. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1987, ISBN 3-432-95521-9, S. 57.
1. Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und VarietĂ€ten. 1900 EinzelstĂŒcke. 16., ĂŒberarbeitete Auflage. BLV Verlag, MĂŒnchen 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5.
cite-note-britannica-109. â Zircon. In: EncyclopĂŠdia Britannica. 11. Auflage. Band 28: Vetch â Zymotic Diseases. London 1911, S. 990 (englisch, Volltext [Wikisource]).
cite-note-klaproth-1789-1110. â Martin Heinrich Klaproth: Chemische Untersuchung des Zirkons. In: Beobachtungen und Entdeckungen aus der Naturkunde von der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin (= Schriften der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin. Band 9, Nr. 2). Friedrich Maurer, Berlin 1789, S. 147â176, urn:nbn:de:0070-disa-1923584_012_12 (online verfĂŒgbar in der digitalen Sammlung der UniversitĂ€t Bielefeld [abgerufen am 12. November 2017]).
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